„Die Bürgerversicherung ist ein absoluter Irrweg“


Ein Interview mit unserem Vorstandsvorsitzenden Peter Thomas zum Thema Bürgerversicherung


Herr Thomas, in den letzten zehn Jahren ist der Anteil der Menschen, die sich privat krankenversichern, um rund 13 Prozent auf knapp neun Millionen Menschen gestiegen. Wie erklären Sie sich diesen Zulauf?

Die Kunden der PKV wissen, dass die umlagefinanzierte, ohne Rückstellungen arbeitende gesetzliche Krankenversicherung (GKV) auf Dauer nicht demographiefest sein kann und der Gesetzgeber jederzeit den Leistungsumfang verändern beziehungsweise reduzieren kann. Wer heute gesetzlich versichert ist, weiß nicht, welche Leistungen ihm in der Zukunft zur Verfügung stehen. Demgegenüber bietet die PKV mit ihrem generationengerechten Kalkulationsprinzip ein lebenslanges, garantiertes Leistungsversprechen. Die Absicherung kann sich der Kunde je nach persönlichem Bedarf zusammenstellen und ist nicht auf einen "Einheitskatalog" angewiesen.

Der PKV haftet dennoch in weiten Teilen der Bevölkerung ein schlechtes Image an. Zurecht?

Dass der PKV in weiten Teilen der Bevölkerung ein schlechtes Image anhaftet, kann ich nicht bestätigen. Umfragen zeigen, dass rund 96 Prozent der PKV-Versicherten mit den Leistungen sehr zufrieden sind. Unabhängig davon: Die PKV muss sich auf ihre Stärken konzentrieren, Leistung und Service bieten, dann wird sich das Image in der Bevölkerung weiter verbessern.


Am 22. September steht die Bundestagswahl an. Je nach Wahlausgang könnte dann die Bürgerversicherung wieder ein Thema werden und das Ende der privaten Vollversicherung einläuten …

Ein abruptes „Umschwenken“ hin zu einer Bürgerversicherung ist meiner Ansicht nach alleine schon aus den vielfältigen rechtlichen und organisatorischen Gründen nicht realisierbar. Wir befinden uns in einem Wahljahr. Das bedeutet auch, dass von der politischen Opposition immer wieder verschiedene Themen – und seien sie noch so weit hergeholt – auf den Tisch gebracht werden. Zum Beispiel eben die Bürgerversicherung. Jeder, der sich ein wenig damit beschäftigt, kommt zu dem Ergebnis, dass sie ein absoluter Irrweg ist und bleibt.

Sie plädieren also für eine Beibehaltung des jetzigen Systems?

Unser Gesundheitssystem hat sich bewährt, das Nebeneinander der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen funktioniert hervorragend. Insbesondere, wenn man unser Gesundheitssystem mit anderen Ländern vergleicht, wird das sehr deutlich. Es ist deshalb für mich unverständlich, warum die Thematik bei einigen Politikern immer wieder auf der Tagesordnung steht, zumal sich auch die finanzielle Situation der GKV wieder stabilisiert hat – siehe hier auch die Abschaffung der Praxisgebühr. Es gibt ohne Frage dringlichere politische Probleme, die gelöst werden müssen. Die PKV ist mit ihrem generationengerechten Kalkulationsprinzip und der privatrechtlichen Verankerung ein unverzichtbarer Teil der deutschen Krankenversicherung und wird dies in Zukunft auch bleiben.                                                                                                                          

Welche Maßnahmen wären erforderlich, um das Vertrauen in die PKV zu stärken?

Ich bin der festen Überzeugung, dass die PKV-Versicherten das Vertrauen in ihren Versicherungsschutz grundsätzlich nie verloren haben. Eine seriöse Geschäftspolitik, leistungsstarke Produkte und geringe Beitragsanpassungen werden das Vertrauen in die PKV weiter steigern. Ich möchte zugleich noch anmerken, dass im Jahr 2012 die Zahl der PKV-Verträge netto um 552.900 auf insgesamt 32,03 Millionen Versicherungen wuchs. Dies zeigt eindeutig, dass der angebliche Vertrauensverlust in die PKV also nicht so groß sein kann, wie des Öfteren behauptet wird.      

Makler Service Management